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Lettland – das Land, das singt in Riga, July 5-12, 2008!
Im Jahr 2008 begehen die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen den 90. Jahrestag ihrer Gründung als souveräne Republiken. Für Lettland ist das Jahr 2008 auch deshalb von Bedeutung, weil rund 35.000 Teilnehmer des 24. Allgemeinen Lettischen Liederfestes und 16. Volkstanzfestes in der Hauptstadt Riga zusammenkommen werden. Das Liederfest ist mit seiner 135 Jahre alten Tradition mehr als nur ein Festval. 2003 wurden die traditionellen estnischen, lettischen und litauischen Lieder- und Volkstanzfeste in die Unesco-Liste des mündlichen und immateriellen Weltkulturerbes der Menschheit aufgenommen.
Das Fest findet vom 5. bis zum 12. Juli in der Freilichtbühne Mežaparks und im Daugava-Stadion statt. Die Zuschauer werden sich davon überzeugen können, daß Lettland aus gutem Grund als das Land bezeichnet wird, das singt.
Jedes Frühjahr nehmen rund 13.000 Mitglieder von Laienchören und rund 15.000 Mitglieder von Volkstanzgruppen an Werkschauen teil und präsentieren einer Jury sowohl ein bestimmtes Pflichtrepertoire als auch frei gewählte Stücke. Während der Werkschau im Frühjahr 2008 entscheidet die Jury, welche Chöre und Volkstanzgruppen die erforderliche künstlerische Qualität für die Teilnahme am Lieder- und Volkstanzfest haben. Nach fünfjähriger Vorbereitungszeit werden am 24. Mai die Besten der Besten auserkoren. Eine Atmosphäre wie beim 100-Meter-Lauf bei den Olympischen Spielen!
In Kürze: Was ist das Besondere am Lettischen Lieder- und Volkstanzfest?
• Ein 12.000köpfiger Gesamtchor singt ein umfassendes und anspruchsvolles Repertoire – großteils a capella und achtstimmig • Die Volkstanzgroßaufführung vereint 15.000 Tänzer, die mit ihren Choreographien atemberaubende Muster bilden • Alle Choristen und Tänzer tragen während des Festes Volkstrachten • Das Lieder- und Volkstanzfest findet alle fünf Jahre statt, wobei in der Zwischenzeit im ganzen Land unablässig Werkschauen und Wettbewerbe ausgetragen werden • Der Tradition des Lieder- und Volkstanzfestes kommt hinsichtlich der Entstehung und Entwicklung der lettischen Identität eine zutiefst symbolische Bedeutung zu • In Lettland mit seinen rund 2,3 Millionen Einwohnern leben neben Letten Angehörige von 156 Völkern, die zur Teilnahme an dem Fest eingeladen sind und so die Gelegenheit haben, ihre Kulturen und Traditionen zu präsentieren
Zur Geschichte des Lettischen Lieder- und Volkstanzfestes
In Anlehnung an die von den Deutschen veranstalteten Chorgroßkonzerte richteten die Letten 1873 ihr erstes Allgemeines Liederfest aus, an dem 45 Chöre mit 1019 Sängern und Sängerinnen teilnahmen. Das Motiv der Veranstalter des Festes war es, die Letten zu einen und die Herausbildung einer gemeinsamen Identität zu fördern. Ihr Traum ist Wirklichkeit geworden: Im November 1918 wurde die Republik Lettland gegründet.
Lettland litt wie andere europäische Staaten auch unter den Folgen des Zweiten Weltkriegs und war zwischen 1944 und 1991 von der UdSSR besetzt. Obgleich die rot-weiß-rote lettische Nationalfahne während der Sowjetzeit verboten war, bestanden die Liederfeste fort. Zwar wurde ein großer Teil des klassischen Repertoires verboten und durch zahlreiche sowjetische Lieder - beispielsweise Ruhmeshymnen auf Lenin - ersetzt. Trotz alledem waren sich die Letten stets der die nationale Identität stiftenden Dimension des Liederfestes bewußt, und seit Mitte der 1980er Jahre erlaubten sie sich zunehmend offenkundige Abweichungen von dem penibel vorgeschriebenen Programm. Zwischen 1987 und 1991 avancierten die singenden Proteste in Lettland (wie auch in Estland und Litauen) zur wirksamsten Waffe gegen das Sowjetregime und wurden weltweit als „Singende Revolution“ apostrophiert.
Wofür steht das Lieder- und Volkstanzfest - das Element des Tanzes ist seit 1948 Bestandteil des Festes - heute? Es steht für einen der größten Massenchöre der Welt, dessen Trachten tragende Sänger und Sängerinnen die schönsten lettischen Chorlieder erklingen lassen. Ergänzt werden die Konzerte und Aufführungen von einer Reihe von Ausstellungen, Märkten und anderen Veranstaltungen. Am letzten Liederfest im Jahr 2003 nahmen 300 Chöre, über 500 Volkstanzgruppen, 57 Orchester und Musikgruppen, drei Symphonieorchester und ein Kammerorchester teil - insgesamt mehr als 30.000 Menschen, die beim großen Festumzug gemeinsam durch die Straßen der Stadt defilierten. Im Jahr 2008 werden in Riga rund 35.000 Teilnehmer erwartet.
Das lettische Volkslied - die Daina
Unser Lieder- und Volkstanzfest wurzelt in den reichen Traditionen der Folklore. Die lettischen Volkslieder, die Dainas, bestehen in der Regel aus nur vier Zeilen. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts erschien in sechs Bänden eine Auswahl von 217.996 Dainas, die - bis dahin nur mündlich überliefert - im gesamten lettischen Sprachraum gesammelt worden waren. Die Originaltexte werden im sogannten „Daina-Schrank“ aufbewahrt, der nun auch in digitaler Form ersteht. Inzwischen sind rund 1,2 Millionen Dainas schriftlich fixiert, so daß an dem geflügelten Wort „auf jeden Letten kommt ein Lied“ eine Menge Wahres ist, da Lettland rund 1,3 Millionen lettischstämmige Einwohner hat. Dieser Umstand macht das mündlich überlieferte Erbe der Letten zu einem der reichsten der Welt.
Nicht ohne Grund ist Lettland „das Land, das singt“!
Weitere Informationen:
Dziesmu un deju svētku birojs (Koordinationsbüro des Allgemeinen Lettischen Lieder- und Volkstanzfestes 2008)
Pils laukums 4, LV-1050 Riga Tel. (00371) 67 22 80 20 Fax (00371) 67 22 74 05
Es ist ein Glücksfall für einen Sänger, der keine Stimme hat, wenn ihm auch das Gehör fehlt.
Michail Genin, (1927 - 2003), russischer Aphoristiker, veröffentlichte seit 1964 in der satirischen Zeitschrift »Krokodil«, seit 1970 ständiger Autor der »Literaturnaja Gaseta« und der Zeitung »Moskowski Komsomolez«, war Vorsitzender der Autorensektion des Moskauer Aphorismen-Clubs